Tagarchiv: Dalmatien

Auf kurzfristige Einladung der jungen kroatischen Reederei Adriatic Cruises haben wir in der Zeit von 3. bis 10. Mai 2008 eine Filmreportage über das Kreuzfahrtschiff MS Dalmacija und die Landausflüge in ihren Zielhäfen gedreht. Die einwöchige Route, die die MS Dalmacija genommen hat, nennt sich „Juwelen der Adria“ und führt von Venedig über Split (Kroatien), Kotor (Montenegro), Durres (Albanien), Dubrovnik (Kroatien), Ploče (Kroatien, Exkursion nach Mostar in Bosnien) und Pula (Kroatien) wieder zurück nach Venedig.

Wie immer, wenn man ohne vorherige Besichtigung und ohne Drehbuch Material für Filmbeiträge erstellen muss, gilt es mit den Augen von Regie und Kamera die Drehorte und zu filmenden Objekte/Subjekte rasch zu scannen und das Was und Wie exakt festzulegen. Da die Drehs an Bord allesamt während des ganz normalen Schiffsbetriebs gemacht worden sind, mussten klarer Weise auch entsprechende Konzessionen eingegangen werden. Passagiere sollten/durften nicht gestört werden, ebenso wenig die Besatzung, die sich ja um die zahlenden Gäste zu kümmern hatte. Glücklicher Weise waren die Dreharbeiten aber auch für die meisten Passagiere eine zusätzliche Attraktion und einige von ihnen stellten sich sogar freiwillig als Statisten zur Verfügung.

Wirklich schwierig waren hingegen die Drehs während der organisierten Landausflüge. Die Guides mussten ihr Programm logischer Weise auf die Minute hin durchziehen und da ist natürlich ein Kamerateam, das ständig auf der Suche nach eindrucksvollen Motiven ist, wie ein Klotz am Bein. Während wir beim Landausflug in Split noch mit dem großen Equipment unterwegs waren, machten wir danach die Takes nur mehr mit einer kleinen HD Handycam, wie jeder andere Tourist auch. Sehr viel ist dabei aber nicht rausgekommen. Nicht wegen der Qualität der kleinen Cam, die ist nämlich auch sehr gut, sondern wegen des besagten Zeitdrucks. Und eine Reportage über die Touristen während einer solchen Exkursion war ja weder geplant noch gewollt … .

In Kotor (Montenegro) haben wir uns gemeinsam mit einem befreundeten Journalisten um Euro 230,00 einen Privatwagen mit Chauffeur gemietet. Unser Zeitdruck wurde dadurch aber nicht sonderlich gemildert, da wir nur 8 Stunden zur Verfügung hatten, ehe wir wieder im Schiff einchecken mussten. Eigentlich ein Hohn, denn wie will man in so kurzer Zeit all den wunderbaren Dingen in diesem wirklich schönen Montenegro gerecht werden. So starteten wir die Fahrt über die ehemalige k.u.k (Österr.-Ungar.Monarchie) Militärstraße, mit fantastischem Panoramablick über die einzigartige Bucht von Kotor, hinauf auf die Hochebene von Njeguši, wo wir bei Niko Kadija, dem Wirten vom Restaurant Zora einkehrten und diesem in seinem beeindruckenden Schinkenhaus interviewten. Das Mittagessen war urig, gut, viel, schwer und zeitlich zu lange. So hasteten wir weiter in die alte königliche Hauptstadt Zetinje, wo wir bloß einen Kurztake vom altehrwürdigen Kloster machten um dann weiter in Richtung Naturrefugium des Skadarsko Sees zu fahren. Auf den schmalen, kaum befahrenen Neben-Nebenstraße ging es zwar nicht sehr flott vorwärts, dafür erhaschten wir einmalige Blicke auf den riesigen See mit seiner üppigen Vegetation.

Als wir letztendlich an die berühmte montenegrinische Riviera kamen, die wirklich unglaublich toll ist, hat das Wetter derart umgeschlagen, dass an Aufnahmen nicht mehr zu denken war. Grrrrr aber that´s life. Im Jahre 1939 galt dieser Küstenabschnitt als schönster Strand der Welt. Natürlich ist alles relativ aber beeindruckend ist die Gegend allemal. Aufgrund der widrigen Aussenbedingungen konnte wir gerade noch einen kurzen Take von der Promi-Insel Sankt Stefan machen, auf der die Reichen und Schönen ihre dicht aneinander gebauten Steinhäuser besitzen. Vorbei an russischen Siedlungen, die in bester Lage aus dem Boden gestampft wurden und werden, ging es nach Budva, dem ultimativ mondänen Zentrum der montenegrinischen Riviera. Erster Stop war das berühmte 5-Sterne-Hotel Splendid, in dessen Casino schon James Bond zockte. Ein fürwahr edles Ambiente mit einem traumhaften Strand. Reserviert für Hotelgäste, versteht sich. Filmen ohne Genehmigung, die wir nicht hatten, verboten.  Budva selbst hat eine grenzgeniale Altstadt, die mich ein wenig an Mykonos oder überhaupt an griechische Küstenstädtchen erinnerte. Enge, weisse, blitzsaubere Gässchen und Häuser und irre Boutiquen. Ansonsten ist Budva eine Megabaustelle. 5-Sterne-Gral entsteht neben 5-Sterne-Gral und alle öffentlichen Plätze werden pompös hergerichtet. Ja, das wird in ein paar Jahren ein Welthotspot sein. Und derzeit noch zu durchaus moderaten Preisen. Dort werden wir sicher noch Spezial-Reisereportagen machen.

Das kroatische Dubrovnik ist ein Paradies für Filmer. Ein geschichtlich kulturelles Highlight nach dem anderen. Und eine Kulisse, die atemberaubend ist. Glücklicher Weise wurden die meisten Kriegsschäden aus dem unglückseligen Balkankrieg nicht nur beseitigt, sondern die Altstadt auf Hochglanz  gebracht. Wirklich eine Wonne. Die einzigartige, begehbare Stadtmauer ist der perfekte Standort für die tollsten Takes. Ja und übrigens, auch Dubrovnik erkundeten wir solo. So kamen wir auch in ein sehr gutes Restaurant, abseits der Mainstreams. Ekvinocijo heißt es und von dem schwarzen Tintenfischrisotto und den gegrillten Kalamari träume ich noch heute. Für einen kommenden Spezialbericht haben wir dann auch noch in dem Michelin besternten Gil vorbei geschaut und waren begeistert. Die Lage direkt an der Stadtmauer über mehrere Terrassen ist sensationell und einzigartig. Ebenso wie das Essen und Trinken, sagte man uns. Naja, wir werden das nächste Mal sehen und hoffentlich schmecken und filmen.

Die Exkursion nach Tirana (Albanien) reizte uns insofern sehr, als doch dieses Land noch vor wenigen Jahren als das Armenhaus Europas gegolten hat. Auf den ersten Kilometern durch die Hafenstadt Durres würde man vielleicht noch Ja zu diesem Brandmal sagen, beim zweiten Blick gehört dieses Image sicher der Vergangenheit an. Die Bautätigkeit ist gewaltig. Die neue Regierung ist nicht zuletzt durch das Wohlwollen finanzkräftiger Investoren bestrebt, das Land zu modernisieren und massiv für den Tourismus zu erschließen. Das Tankstellennetz auf der Hauptroute nach Tirana ist dichter als im Westen und bei Spritpreisen, die einen Euro über dem EU-Schnitt liegen und der gleichzeitig hohen Verkehrsdichte denkt man, dass es den Leuten mit ihren schier unendlich vielen Mercedes Benzen, die hier herum fahren, gar nicht mehr so schlecht gehen dürfte. Hoffentlich schaut es da in Wirklichkeit nicht so aus, wie derzeit noch im Umweltbereich, der mitunter brutal im Argen liegt. Gedreht heben wir ein paar Einstellungen in Tirana selbst und in Kruja, der alten Residenzstadt des Nationalhelden Skanderbeg, die geografisch sehr beeindruckend ist. Hier setzt und baut man intensiv auf Tourismus – Massentourismus.

Mostar (Bosnien und Hercegovina) steht mit ihrer wieder errichteten Brücke über den Fluss Neretva, deren Zerstörung im letzten Balkankrieg zu trauriger Weltbrühmtheit gelangt ist, im absoluten touristischen Mittelpunkt. Und Mostar ist es auch wirklich wert, besucht zu werden, weil es eine wunderbare Demonstration eines multikulturellen Miteinander abgibt. Filmer und Fotografen sind hier in ihrem Element, weil es wunderbare Motive gibt. Auf dem Weg von der kroatischen Hafenstadt Ploče nach Mostar fährt man übrigens durch Ebenen, deren Fruchtbarkeit augenscheinlich ist. Wer tolle üppig landwirtschaftliche Motive sucht wäre hier richtig.

Die letzte begleitete Exkursion führte uns vom kroatischen Hafen Pula in das einmalige Meeresstädtchen Rovinj und in die Trüffelhochburg Motovun. Filmtechnisch leider wieder ebenso schwierig wie landschaftlich einmalig. Man kann nur so viel sagen, dass Istrien unbedingt eine eigene Reise wert ist, so wunderbar ist diese Halbinsel. Von einem der besterhaltensten römischen Amphitheater in der ehemaligen k.u.k. Stadt Pula über die malerische Westküste mit ihren lieblichen Ortschaften und der hervorragenden Austernzucht im Limski Kanal bis hin zu den Wein- und Trüffelzentren im Landesinneren spannt sich der landschaftlich-kulinarische Genussbogen. Und dabei haben wir ja die Glanzstücke der istrianischen Riviera im Osten, beginnend bei Rijeka und Opatija ja nicht einmal gestreift.

Wie auch immer. So eine Kreuzfahrt mit der eher nur „mittelgroßen“ MS Dalmacija ist schon was. Klar, dass man hier Prunk und Luxus der 5-Sterne-Mega-Weltmeere-Kreuzer vergebens sucht aber das ein wenig nostalgische Flair dieses Schiffes ist nicht minder reizvoll. Ich persönlich würde da sicherlich auch mal privat mitfahren, wenn ich nur Zeit hätte … .